Es folgt ein Ausschnitt aus dem sehr lesenswerten Buch “Keiner ist so toll wie wir” von Markus Huber und Robert Treichler, 2001 erschienen im Ueberreuter-Verlag, Wien. Erhältlich bei amazon.at und als Leseprobe beim Fest.
“Die Franzosen sehen aus, als würde der Mensch von Karl Lagerfeld abstammen. Ganz egal, wie scheußlich ihre Körper geraten sind, sie hüllen ihn in ein bisschen Behübschungs-Edelschrott von Paco Rabanne oder in ein Stückchen garstig-hippen Mull von Jean-Paul Gaultier. Sie sehen damit zwar ebenso scheußlich aus wie zuvor. Aber der finanzielle Aufwand von 30.000 Franc pro Outfit (falls der Mull im Ausverkauf war) verleiht ihnen die nötige Arroganz, die einen Menschen erst zum Franzosen macht.
Ziel der männlichen Franzosen ist es, auszusehen wie ein Heiratsschwindler – und nicht nur so auszusehen. Wer gesellschaftlich akzeptiert werden will, muss mit seinen Körperflüssigkeiten um sich schleudern wie eine inkontinente Qualle. Ein französischer Politiker, der keine Mätresse hat, steht unter dem Verdacht, ein amerikanischer Spion zu sein. Er muss vor einem Ausschuss klarstellen, weshalb er nicht wenigstens auf das blaue Kleid seiner Praktikantin ejakuliert hat. Einziger Ausweg: Er bekennt sich zur Homosexualität.
Französinnen wiederum erkennt man daran, dass sie ein »nessessär«, ein kleines Gepäckstück für kosmetische Bedarfsgüter, mit sich herumtragen. Je nach Gelegenheit variiert dessen Größe. Für einen zweistündigen Ausflug ins Grüne etwa genügt ein Schrankkoffer von Chanel.
Franzosen halten sich ausnahmslos in Frankreich auf, denn überall, wo sich ein Franzose aufhält, ist Frankreich. Sollte die Außenwelt den hohen Anforderungen nicht entsprechen – und davon kann man ausgehen –, hüllt sie der Franzose eben in einen Schal von Hermès.”